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Am Montag, den 14. Mai 2018 besuchte unser Philosophiekurs gemeinsam mit Frau Lippert das Theater an der Rottstraße in Bochum, um das Puppentheaterstück „Besuchszeit vorbei“ von dem israelischen Puppenspieler Ariel Doron mit anschließender Diskussion zu sehen.
Das Theaterstück passte gut zu unserem Unterrichtsthema, denn wir haben uns im Philosophieunterricht in den letzten Wochen mit der Frage beschäftigt, wann ein Staat die Freiheit des Einzelnen begrenzen darf und muss. Das Augenmerk fiel schnell auf Exekutionen, Tötungen, Hinrichtungen, denn immer schon haben Menschen sich angemaßt, den Tod eines anderen Menschen zu fordern, dem Anderen seine Daseinsberechtigung abzusprechen, ein Todesurteil zu vollstrecken. Aber ist die Todesstrafe eine gerechte Strafe? In der Regie des israelischen Regisseurs Ariel Doron stellt das Puppentheater-Ensemble nicht weniger zur Debatte als das Töten in seiner Willkür, Zufälligkeit und gleichzeitigen Zwangsläufigkeit – ohne dabei die ZuschauerInnen für einen Augenblick aus der Verantwortung zu entlassen. Irgendwo zwischen einer Theater-Show und einem sozialen Experiment, zwischen Popcorn-Genuss und Gewissensbiss liegt die Wahrheit über diesen erstaunlich intensiven Vormittag. Wo man sonst bemüht ist, Puppen auf der Bühne zum Leben zu erwecken, wurden hier innerhalb einer Stunde ca. 30 Puppen hingerichtet. Wir durften dieses Mal nicht distanziert einem Bühnengeschehen beiwohnen, sondern befanden uns mittendrin. Hier einige Eindrücke unseres Kurses:
„Als Kurs angekommen saßen wir zunächst alle gemeinsam in einem Raum und warteten auf den Beginn des Stücks. Nach der Wartezeit betrat ein maskierter Darsteller mit einem dunklen Kostüm den Raum. Er hatte eine Puppe auf seinen Schultern, die uns einlud, ihr zu folgen. Beim Betreten des nächsten Raumes bot uns eine andere Puppe kleine Popcornbecher an, die viele von uns mit Freude entgegennahmen.“
„Es war kein normales Theater. Ich habe gedacht, dass wir uns alle hinsetzen und uns dann ein Stück auf der Bühne ansehen würden, aber es gab weder Sitzplätze, noch eine Bühne. Wir verteilten uns alle im Raum, einige blieben stehen, andere setzten sich auf den Boden. Hier standen sich lediglich zwei Podeste gegenüber.“

„Die Puppe, die uns auch reingebeten hatte, wurde von zwei weiteren maskierten Männern bis zu einem der Podeste geführt und forderte uns auf, Fotos und Videos zu machen, denn die Besuchszeit sei eröffnet. Ich holte also wie aufgefordert mein Handy raus, um zu fotografieren. Die beiden Männer begleiteten die Puppe auf das Podest und auf drei warfen sie die Puppe einfach vom Podest. Bevor ich realisierte, was da gerade passiert war, wurde die nächste Puppe in den Raum auf eins der Podeste geführt und ebenfalls hinuntergeworfen. Jetzt begriff ich: Sie wurden hingerichtet!“
„Im Grunde passierte immer dasselbe: Die maskierten Menschen kamen mit verschiedenen Puppen in Gestalt von Kindern, Frauen, Männern, Jungen, Alten oder auch Tieren, und die Puppen wurden nach und nach hingerichtet.“
„Es war nicht schön mit anzusehen, wie all diese Puppen exekutiert werden, aber zunächst hat sich keiner von uns getraut, einzugreifen, da wir ja keine Erlaubnis hatten und das Stück nicht stören wollten. Die Darsteller verdienen so schließlich ihr Geld. Und genau diesen Teil des Stücks finde ich sehr spannend, denn es hat gezeigt, wie wir Menschen ticken. In solchen Si-tuationen zeigt sich oft das wahre Gesicht eines Menschen. Wir haben nicht oft den Mut oder nur wenige von uns, in Situationen, die uns missfallen, einzugreifen. Das muss sich ändern!“
„Ich sah einigen meiner Mitschüler an, dass sie längst eingreifen wollten. Immer wieder ging der ein oder andere zu Frau Lippert und fragte, ob man sich einmischen dürfe. Erst als dies von ihr bestätigt wurde, fing M. an, sich aktiv am Geschehen zu beteiligen. Erst half er den Wärtern noch, die schwere Leiche eines alten Mannes auf den Hinrichtungsstapel zu werfen, andere aßen mit den Wärtern Möhren als Pausensnack. Dann aber rettete er das erste Schwein und gab es einer Mitschülerin zum Schutz vor den Wärtern.“
„Erst als ich das Popcorn aufgegessen hatte konnte ich den Schriftzug „HELP!“ am Boden des Bechers erkennen. Mir wurde klar: Wir müssen diese Hinrichtungen verhindern!“
„Am Ende des Stücks passierte es dann endlich. Ich hörte Frau Lippert „Stop Executions“ rufen und zum Podest stürmen. Viele von uns und auch viele der anderen ZuschauerInnen folgten und versperrten die Podeste. Die letzte Exekution konnte vom Publikum verhindert werden.“
„Dieses Stück bewirkt etwas beim Zuschauer, denn es zeigt, dass man Feuer nicht mit Feuer bekämpfen sollte. Es ist nicht legitim einen Mörder mit dem Tod zu bestrafen.“
„Ich finde es im Nachhinein bejammernswert, dass wir nicht früher eingegriffen haben und ich frage mich auch, wie ich bei einer realen Hinrichtung reagiert hätte.“
„Ich fand das Theaterstück sehr interessant und bedeutungsvoll, weil man ein konkretes Beispiel bekommen hat, was es heißen kann, wenn ein Mensch vor unseren Augen sterben muss bzw. man sieht, wie sich die zum Tode Verurteilten hoffnungsvoll nach Hilfe umschauen, aber keiner kann oder will etwas gegen diese Menschenrechtsverletzung unternehmen.“
Unser Fazit: „Stop Executions!!!“

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