Was hat Brechts Drama von 1922 mit den Fragen der GenZ zu tun? Eine ganze Menge, fanden die Schülerinnen und Schüler, denn die Inszenierung des jungen Brecht bot dem Literaturkurs weit mehr als historisches Theater – nämlich überraschend viele Berührungspunkte zur eigenen Lebenswelt. Vor allem dadurch, dass die Inszenierung zum Spiegel eigener Konflikte und Zukunftsfragen wurde in einer Zeit, die vor allem von jungen Menschen Entscheidungen fordert, während gleichzeitig alte und neue gesellschaftliche Zwänge ihre Freiheit begrenzen.
Besonders die Zwänge, unter denen die Figuren in Brechts Stück stehen, lösten intensive Diskussionen aus. „Jetzt redet ihr in mich hinein”, klagt Brechts Figur Anna in dem Stück – ein Satz, der auch heute die Erwartungshaltung von Familie und Gesellschaft in Bezug auf Studienwahl, Karriereplanung oder Lebensmodelle nach der Schule auf den Punkt bringt.
Auch die Frage nach einem möglichen Militärdienst gewann angesichts aktueller sicherheitspolitischer Debatten eine beklemmende Aktualität. Was macht ein Krieg mit jungen Menschen? Wie kehrt man zurück, wenn die Heimat sich verändert hat? Diese Fragen beschäftigen nicht nur die Figuren im Stück, sondern auch die Generation der heutigen Schülerinnen und Schüler.
Brecht selbst bezeichnete die Lösung, die er seinen Protagonisten gab, später als „die schäbigste aller möglichen Varianten”: diese wenden sich von der Revolution ab und kehren ins private Glück zurück. Diese Spannung zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und persönlichem Rückzug, zwischen Idealismus und Pragmatismus, erwies sich für den Kurs als zentrale Fragestellung- besonders vor der wichtigen Weichenstellung, des anstehenden Abiturs! Nicht nur deshalb fanden alle – ein rundherum gelungener Theaterbesuch!
Text & Bild: Maike Boldt-Schäfer




