06. Oktober 2025 um 08:51 Uhr

Am letzten Septemberwochenende habe ich, Marleen Schlingmann (17), am Kunst- und Kulturwettbewerb Herbert! teilgenommen. Ich trat in der Kategorie Poetry Slam mit meinem Gedicht namens „Und immer wieder Krieg“ an. Es war zwar mein erster Auftritt, jedoch konnte ich die Jury mit meinem Beitrag überzeugen und durfte mich am Ende über den dritten Platz freuen. Es war ein unvergesslicher Abend voller kreativer Begegnungen und intensiver Eindrücke. Vielen Dank an das ganze Herbert! Team, dass einen so wundervollen Raum für kreative Jugendliche geschaffen hat.

Auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtet über den Kulturpreis „Herbert“. Dort können Sie und ihr auch die Begründung der Jury nachlesen: Zum Artikel der WAZ.

Wir freuen uns sehr, dass wir Marleens Text hier auch Ihnen und euch zur Verfügung stellen dürfen und gratulieren ganz herzlich zum dritten Platz beim beim 14. Herner Jugendkulturpreis Herbert!

Und immer wieder Krieg

Ich wache auf
mit dem Frieden im Bett
aber die Nachrichten schreien lauter
als mein Wecker.

Eine Stadt fällt.
Ein Kind schreit.
Ein Land stirbt
im Livestream.
Und irgendwo
verhandeln Männer in Anzügen
über Leben wie über Aktienkurse,
während draußen
die Straßen in Blut getaucht werden,
als wäre Menschlichkeit
nur ein Versehen der Evolution.
Sie nennen es
Verteidigung.
Befreiung.
Sicherheit.

Und ich frage mich:
Wer muss sterben,
damit sich ein anderer sicher fühlt?

Ich sehe Bomben
mit eingebautem WLAN,
Drohnen,
die präziser töten
als wir lieben können.
Und trotzdem trifft es
immer die Falschen.

Gaza.
Kiew.
Khartum.
Aleppo.

Und dazwischen
Kinder mit Augen
so groß wie ihre Ängste
und Hände,
zu klein für all die Gräber.

Wir posten
Fahnen in Storys
mit Hashtags wie
#prayfor…
bis der Algorithmus weiterzieht
zum nächsten Drama,
zur nächsten Tragödie,
zur nächsten Träne
in HD.

Und ich?
Ich sitze hier,
schreibe Worte,
die keine Wunden nähen,
keine Panzer stoppen,
keine Mauern einreißen.
Aber vielleicht…
vielleicht erinnern sie.

Erinnern an
das Zittern in der Stimme einer Mutter,
die ihr Kind
durch Rauch und Trümmer trägt.
An de Jungen,
der seinen Namen flüstert,
damit er nicht vergessen wird
unter all den Nummern.

Vielleicht ist der Krieg:
Nicht nur das Töten,
sondern das Vergesse.
Das Abstumpfen.
Das Weiterklicken.

Doch ich weigere mich,
normal zu werden
für ein Unrecht,
das laut schreit
und doch niemand hört.

Denn solange wir
mehr Geld für Waffen
als für Hoffnung ausgeben,
solange Frieden
ein Wort auf Papier bleibt
und kein Zustand in den Köpfen,
solange brennt diese Welt
nicht nur wegen der Hitze –
sondern wegen uns.

Ich will keinen Applaus.
Ich will ein Aufwachen.
Ein Hinsehen.
Ein Fragen:
Wer profitiert vom Sterben?
Wer schweigt,
weil sein Konto wächst?
Und wer stirbt,
damit wir bequemer leben?

Sag mir nicht,
dass du nichts tun kannst.
Denn das Schweigen
ist auch eine Entscheidung.
Und jedes Wort,
das du nicht sagst,
wird irgendwann
ein Schuss.

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